Überlebende vergibt früherem SS-Mann Gröning


Foto: dpa Die Auschwitz-Überlebende Eva Kor vergibt dem Angeklagten. „Meine Vergebung spricht aber die Täter nicht frei, Verantwortung zu übernehmen“
Bewegende Szene im Lüneburger Auschwitz-Prozess: Die Überlebende Eva Kor verlas eine Erklärung, in der sie dem Angeklagten Oskar Gröning vergibt. Das heiße aber nicht, dass seine Schuld erlassen sei.


Von Per Hinrichs|DIE WELT

Eva Kor ist 81 Jahre alt, und doch ist sie eine der Jüngsten. Eine der jüngsten Menschen, die Auschwitz überlebt haben, und heute noch leben und davon erzählen können. Als sie nach vorne zum Zeugentisch geht, sehen die Zuschauer in der Lüneburger Ritterakademie eine kleine Frau in einem stahlblauen Kostüm, die in die Mitte des Raumes geht, sich hinsetzt und von den Dingen erzählt, die ihr Leben bestimmt haben. „Hallo Herr Gröning“, beginnt sie ihre Erklärung. Und sie endet damit, ihm zu vergeben, was er tat. „Meine Vergebung spricht aber die Täter nicht frei, Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie. Und schon sind alle unausgesprochenen Fragen zum Thema Schuld und Sühne, die das Verfahren ohnehin begleiten, wieder auf dem Tisch im einem der letzten großen NS-Verfahren.

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