„In einem Konzentrationslager ist das nun mal so“


Blick von der „Rampe“ zum Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.Bild: Michel Zacharz/CC-BY-SA-2.5
Angeklagter im Lübecker Auschwitz-Prozess sieht sich nur als pflichtbewusstes „Rädchen im Getriebe“


Von Birgit Gärtner|TELEPOLIS

Oskar Gröning ist fast 94 Jahre alt. Beheimatet im beschaulichen niedersächsischen Nienburg/Weser lebte er ein ebenso beschauliches Leben als Personalchef einer Glasfabrik und ehrenamtlicher Richter am dortigen Amtsgericht. Aber es gab ein Leben vor diesem beschaulichen Leben, eines als Mitglied der NSDAP und der SS, eines als „Sonderbeauftragter“ der SS im Konzentrationslager Auschwitz, wo er über das den inhaftierten und ermordeten KZ-Insassen aus aller Welt geraubte Hab und Gut penibel Buch führte, und es bisweilen in den Tresor des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA) in Berlin schaffte. Für dieses Leben steht er nun in Lüneburg vor Gericht. Der Vorwurf: Beihilfe zu 300.000fachem Mord! Im Juli soll das Urteil verkündet werden.

Nein, persönlich gemordet hat Oskar Gröning vermutlich nicht. Aber er hat zugesehen und aktiv daran mitgewirkt, dass die Rädchen in Getriebe der Menschenvernichtungs-Fabrik Auschwitz nicht außer Takt kamen. Was er da sah und erlebte, hat ihm nicht alles gefallen, aber „in einem Konzentrationslager ist das nun mal so“, zitiert ihn der Spiegel. Wat mut dat mut.

Und es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben. Deshalb, so berichtet er freimütig vor Gericht, wurde in Auschwitz Birkenau auch darauf geachtet, dass bei Ankunft der mit Todeskandidaten überfüllten Waggons alles ruhig und gesittet zuging und sie hübsch der Reihe nach „versorgt“ wurden. Für die meisten Betroffenen bedeutete dieses „versorgt“ werden, dass sie umstandslos ins Gas geschickt wurden.

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2 Comments

  1. Es ist das bekannte Phänomen, die tumbe und blinde Masse folgt willing und kritiklos ihren Vorbetern, sie wie im Rudel alle dem Leitwolf folgen

    Ab 1925 hat Deutschland 62,7% Evangelen und 32,5% Katholen. Das NAZI Reich mit den KZ- und SS-Mördern sind „gute“ Christen. Bei 1% NSDAP Genossen 1933 bzw. 9,5% im Jahr 1945 sind Priester und Lehrer zu 50% NAZIs als treue Speichellecker der Geld scheißenden Diktatur. Die Kirchen feiern NAZI Hitler in höchsten Tönen “In Hitler ist die Zeit erfüllt für das Deutsche Volk, denn durch Hitler ist Christus, Gott, der Helfer und Erlöser, unter uns mächtig geworden. Darum ist der Nationalsozialismus positives Christentum der Tat. Hitler ist jetzt der Weg des Geistes und Willens Gottes zur Christuskirche deutscher Nation” (EKD Präses Müller 1934).

    Ganz sicher hat nicht jeder dieser 79 Millionen lieben und guten Christen in der Küche seinen bösen Juden gekocht und geschlachtet wie Massenmörder Hamann, aber durch Teilnahme an den Aufmärschen, durch frenetischen Jubel in den Kirchen unter SA- und SS-Uniformen sowie Fahnen, durch ein „Heil-Hitler“ auf allen Briefen der Behörden und durch 13 Millionen Deutsche Soldaten bei der Welteroberung wurden alle zu Mittätern. Manche NAZIs sind als Zeitzeugen heute noch so verblödet wie die NPD Aktivistin, die bezeugt Auschwitz war nur eine gut funktionierende Klink, Cyclon-B ist harmlos und die Leichenberge in den vielen KZs haben Alliierte Bomber verursacht

    Wenn dem also so ist, wieso haben die „lieben und guten Christen“ nichts gelernt. Wenn der Papst seine 12.000 pägophilen Drecksäcke seiner Priesterschaft schützt und als Einzelfälle entschuldigt, wenn er Homosexualität als heilbare Sünde diffamiert, abtreibende Frauen aus den Kliniken auf die Strasse zum elenden Verrecken wirft und zum nächsten Heilgen Krieg als unvermeidbar aufruft, wieso machen das alle mit und bezahlen dafür Milliarden € – sind die alle so saublöd ?

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