Sure 29 Vers 46: „Schöne“ Streitgespräche sind Pflicht


(Deutschlandradio Grafik)
Die Selbstständigkeit des Islam als Weltreligion ist ohne den Bezug auf Christentum und Judentum kaum zu verstehen. Die jüdisch-christlich-islamische Tradition ist unter anderem auch dadurch in sich verflochten, dass sie insgesamt auf die hellenistisch-antike Tradition zurückgreift. Gerade deshalb ist Streit geboten.


Erläutert von Dr. Milad Karimi|Deutschlandfunk

„Und streitet mit den Leuten der Schrift auf die schönste Weise nur, außer mit denen, die Übles tun!“

Die Religion verspricht die Rückkehr des Menschen zu sich selbst aus dem schlechthin Unverfügbaren. Daraus ergibt sich die Frage, ob Religiosität im gegenwärtigen Leben überhaupt noch einen rechten Ort finden kann. Und daraus ergibt sich eine weitere Frage, nämlich in welchem Verhältnis die Religionen zueinander stehen. Öffentliche Religionsgespräche zwischen Muslimen, Christen und Juden haben eine lange und reiche Tradition.

Ein Streitgespräch zu entfachen, welches das Prädikat „schön“ trägt, ist – nimmt man den Imperativ „Streitet!“ im zitierten Vers ernst – die Pflicht der Muslime. Aus dieser Tradition sind zahlreiche Schriften islamischer Autoren entstanden. So erklärt sich der Umstand, dass eine Reihe dieser Streitschriften in der islamischen Tradition das Prädikat „schön“ ernst nehmen. So lautet beispielsweise der Titel einer dem Theologen Abu Hamid Muhammad Al-Ghazzali aus dem 12. Jahrhundert zugeschriebenen Streitschrift „Die schöne Widerlegung der Gottheit Jesu“.

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