Der Traum von der großen Türkei wird zum Albtraum


Die Türkei muss ihre Außenpolitik neu überdenken. (Foto: Flickr/ The blue mosque, Istanbul, Turkey by Giuseppe Milo CC BY 2.0)
Premier Ahmet Davutoğlu spricht gerne von der Türkei als das „Brasilien des Mittleren Ostens“. Die Auswirkungen einer dominanten Türkei-Politik sind heute sichtbar: Die Türkei ist zum ersten Mal in ihrer Geschichte in den Bürgerkrieg eines Nachbarstaates verwickelt. Die Unterstützung der Kurden im Irak hat zu einem Totalausfall der Handelsbeziehungen mit dem Rest des Landes geführt. Mit den abgeschlossenen Grenzen zu Syrien und dem Irak hat die Türkei außerdem den Zugang zum Mittleren Osten verloren.


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Für Ankara ist die schlimmste Situation eingetreten, die sich die Auslandsstrategen der Regierung hätten vorstellen können. Der Versuch sich von der westlichen Staatengemeinschaft abzuwenden und den Fokus auf den Nahen Osten zu legen hat mit 49 Geiseln in Mosul, einer fast offenen Grenzen in Richtung Syrien und Irak und einem weitgehenden Verlust alter Verbündeter und Märkte geendet. Der Bruch mit der alten Regel keine Konflikte mit Nachbarn zu haben, sollte der Regierung Erdoğan Einfluss garantieren, nun hat die Türkei gleich mehrere Flächenbrände vor der Tür. Als Transitland für viele europäische Terroristen hat die Türkei eine Schlüsselrolle für die Sicherheit des Westens.

Bruch mit alten Paradigmen

Die Außenpolitik der vergangenen Jahre steht im Kontrast zu dem, was über Jahrzehnte in Diplomatenkreisen gefördert wurde. Mustafa Kemal Atatürk hatte dem Land Anfang des letzten Jahrhunderts sehr abrupt eine westliche Orientierung verordnet. Was damals Zwangscharakter hatte, trug außenpolitisch Früchte. Die Türkei wurde seit vielen Jahrzehnten in keinen bewaffneten Konflikt verwickelt. Weiterhin konnte man sich Absatzmärkte für türkische Waren nahezu im ganzen Nahen Osten von Jordanien, bis zum persischen Golf erschließen (mehr hier). Der Irak wurde zum wichtigsten Handelspartner und Israel zumindest zeitweise zu einem politischen Partner. Nicht zuletzt der Westanbindung und deren Investoren ist ein Teil des heutigen Immobilienbooms zu verdanken (mehr hier). Mit vielen dieser außenpolitischen Paradigmen wurde gebrochen. Der Einfluss im Nahen und Mittleren Osten wollte die türkische Spitze gestärkt sehen, so das Wallstreet Journal. Die Folgen sind unübersehbar. Man weiß weder wie lange der Konflikt in Syrien anhalten wird, noch welche Folgen das Auftreten der IS im Irak hat.

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