Odenwaldschule: Missbrauch ohne Ende


Die Odenwaldschule muss schließen, die Finanzierung für das umstrittene Institut ist nicht mehr sichergestellt- Foto: dpa
Das Aus für die Odenwaldschule ist ohne Alternative für eine Institution, die zur Täterorganisation geworden ist. Aber zum Jubeln gibt es keinen Anlass – die Gefahr besteht weiter.


Von Pitt von Bebenburg|Frankfurter Rundschau

Der sexuelle Missbrauch von Mädchen und Jungen hört nicht auf. Während Sie diesen Artikel lesen, erleiden Kinder und Jugendliche in Deutschland und anderen Staaten die Gewalttaten pädosexueller Täter. Einige der Opfer werden dabei fotografiert und gefilmt. Sie werden ein weiteres Mal gedemütigt, wenn diese Bilder im Internet verkauft werden.

Die Schließung der Odenwaldschule erinnert an dieses Leiden. Es fällt nicht schwer, sich über das Aus einer Schule zu freuen, die zur Täterorganisation geworden oder vielleicht sogar – noch schrecklicher – seit ihrer Gründung als solche angelegt war. Das gilt vor allem, weil sie auf das Bekanntwerden des Skandals nicht mit Aufarbeitung und Hilfe für die Opfer antwortete, sondern mit Vertuschung, Beschönigung und Taktiererei. Eltern und Ämter konnten gar nicht anders darauf reagieren, als Kinder lieber auf anderen Schulen anzumelden. Am Ende entstand aus dem moralischen Versagen ein finanzielles Desaster, das keine andere Möglichkeit als die Schließung ließ. Überraschend kam das für niemanden mehr, auch wenn sich die neue Leitung redlich mühte, durch Transparenz und Zuwendung zu retten, was nicht zu retten war. Es ist ein starkes Zeichen, dass eine Schule mit solcher Vergangenheit nicht damit durchkommt.

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