Religiöse Rechte und ihre unheiligen Allianzen


Religion wird wieder zum Banner, unter dem politische Kämpfe ausgefochten werden. Picture alliance
Kirchlich-konservative Kreise suchen die Nähe der politischen Rechten, bisweilen sogar Russlands – und diskreditieren damit das christliche Ethos der Freiheit


Von Andreas Püttmann|Cicero

Die Gruppe der „praktizierenden“ Christen gilt empirischen Religionsforschern als „soziologisch und politologisch höchst bedeutsam“ (Stefan Huber). Kirchennahe Bürger weisen eine überdurchschnittliche Wahlbeteiligung und Bereitschaft zu sozialem und parteipolitischem Engagement auf, haben seltener Vorbehalte, mit Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder Herkunft in Nachbarschaft zu leben und neigen weniger zu politischem Extremismus; an ihnen scheiterte der Einzug der NPD in die Landtage von Sachsen und Sachsen-Anhalt. Unter den Anhängern der rechtspopulistischen AfD sind Kirchenmitglieder unterrepräsentiert. Laut Bertelsmann-Religionsmonitor 2013 findet die Demokratie bei religiösen Bürgern mehr Zuspruch als „gute Regierungsform“ als unter  Nichtreligiösen.

Indes zeichnet sich unter betont rechtgläubigen Christen seit einigen Jahren eine ideologische Verhärtung ab, die in zweifelhafte Allianzen sowie in einen Habitus führt, der das christliche Zeugnis verdunkelt. Frust über die eigene gesellschaftliche und innerkirchliche Marginalisierung, überzogene Selbstviktimisierung wegen laizistischer Ressentiments und ungerechter Medienberichte, Selbstreferentialität in den Meinungsblasen sektiererischer Internet-Parallelwelten und Freund-Feind-Denken haben das Milieu der „letzten Aufrechten“ nicht wählerischer werden lassen in den Mitteln der Auseinandersetzung und in der Bündnispolitik.

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