Medien und Masse: „handfeste Beziehungskrise“


Medienschelte bei einer Pegida-Demonstration in Frankfurt Foto: Opposition 24| flickr | CC BY 2.0
Das derzeitige Verhältnis von Bürgern und Presse trägt Züge einer „handfesten Beziehungkrise“. Das hat Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen am Mittwoch in Berlin erklärt. Blogger Stefan Niggemeier sprach sich gegen Fundamentalkritik à la „Lügenpresse“ aus.


pro Medienmagazin

„Wir erleben eine Krise, angetrieben von wechselseitigen Kränkungen“, beschrieb Pörksen das derzeitige Verhältnis von Medienkonsumenten und Journalisten. Verschiedene Journalistenverbände hatten anlässlich des Tages der Pressfreiheit am Sonntag zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, die sich mit einer lauter werdenden Medienkritik beschäftigen sollte. Lügenpresse, Shitstorm, Internettrolle und tätliche Angriffe – von all dem berichteten betroffene Journalisten an diesem Abend. Pörksen versuchte, diese neue Medienkritik analytisch zu betrachten: Die Deutungshoheit medialer Machtzentren schwinde, weil in Zeiten des Internets jeder Bürger Sender sein könne.

„Aus der Jauchegrube der Verschwörungstheorie“

In einer solchen Öffentlichkeit sei es normal, dass mediale Berichterstattung kritisch begleitet werde, etwa beim Rücktritt des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff oder den Äußerungen eines Thilo Sarrazin. Auch im Fall der medialen Aufarbeitung des Germanwings-Unglücks sei das sichtbar geworden. Im Internet formierten sich Zweifler der Berichte zum Hergang des Absturzes, zudem kritisierten viele die Art der Berichterstattung darüber. Medienverdrossene erhielten in der digitalen Welt erstmals eine breite eigene Plattform und förderten zum Teil auch Gedankengut aus der „Jauchegrube der Verschwörungstheorie“. Als Beispiele für Verschwörungstheoretiker nannte er Autoren wie Eva Herman oder Udo Ulfkotte. Die „vernetzten Vielen“, also Blogger oder Wiki-Betreiber, seien zu einer fünften Gewalt geworden.

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