USA: „Die Cops treten auf wie eine Besatzungsarmee“


Die Polizei versucht, in Baltimore für Ruhe zu sorgen, doch viele sehen sie und ihr Verhalten gegenüber Afroamerikanern als Wurzel des Übels. (Foto: AFP)
Alice Goffman lebte sechs Jahre als Weiße in einem Schwarzen-Viertel in Philadelphia. Dort erlebte sie, wie die Polizei die Menschen täglich drangsaliert. Nun schreibt sie dagegen an – und freut sich auch über Republikaner als Verbündete.


Von Matthias Kolb|Süddeutsche.de

SZ: Wie kam es dazu, dass Sie als Studentin in ein Schwarzen-Viertel in Philadelphia gezogen sind?

Alice Goffman: Ich habe 2002 begonnen, einer 15-jährigen Afroamerikanerin Nachhilfe zu geben. Ich mochte Aishas Familie und als mein Mietvertrag endete, schlug die Familie vor, eine Wohnung in ihrem Viertel zu mieten. Ich war eine der wenigen Weißen in dieser Gegend, 98 Prozent der Bewohner sind schwarz. Nachdem ich Aishas Cousin Reggie und desse Freunde kennengelernt hatte, beschloss ich, meine Abschlussarbeit in Soziologie über deren Alltag zu schreiben.

Was war damals für Sie die größte Herausforderung?

Es hat lange gedauert, bis ich die Sprache und kulturellen Codes von Reggie und seinen Freunden Mike und Chuck verstanden habe. Neu war auch die Dauerpräsenz der Polizei. Ich musste alles vergessen, was ich zuvor über Polizei und Strafverfolgung wusste. Ich bin in einem weißen, ziemlich reichen Viertel in Philadelphia aufgewachsen. Dort sah ich die Polizei selten. Wenn ich sie bemerkt habe, dann dachte ich: „Aha, da sind Polizisten. Bei Problemen kommen sie und helfen mir.“ In Schwarzen-Vierteln treten die Cops hingegen wie eine Besatzungsarmee auf.

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