Können Kirchen demokratisch sein?


Bild: tilly
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Wer ist der Souverän in der Kirche: das Volk oder Christus? Katholiken und Protestanten antworten unterschiedlich auf die Frage, ob Kirche und Demokratie zusammengehen.


Von Wolfgang Thielmann|ZEIT ONLINE

Demokratie und Christentum passen nicht zusammen. Sagt die katholische Kirche. Deshalb trägt sie ein Demokratiedefizit tief in ihren Genen. Denn, so heißt es, nicht das Volk, sondern Christus sei der Souverän der Kirche. Und wo sich ein Volk eine Verfassung gebe, da regle das Evangelium das Zusammenleben der Christen. Das meint zum Beispiel Kardinal Kurt Koch, der aus der demokratischen Schweiz stammende Präsident des vatikanischen Einheitsrates. Deshalb ist die katholische Kirche eine Monarchie. Nur Geweihte haben das Sagen, denn sie stehen in einer besonderen Beziehung zu Christus: Der Papst, der Bischof, der Pfarrer. Laien dürfen viel vorschlagen und mit beraten, aber letztlich nichts bestimmen.

Koch ist für die Beziehungen mit den anderen Kirchen zuständig, auch mit den Protestanten. Deren Synode, also ihr Parlament, trifft sich gerade im Würzburger Kongresszentrum. Die 120 Parlamentarier aus 20 evangelischen Landeskirchen beraten, sie stimmen ab, sie bilden Ausschüsse für Theologie, für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat und für das Kirchenrecht, also auch für ihre Verfassung. Und sie wählen. Für das Präsesamt, also den Vorsitz der Synode, hat die frühere Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer die besten Chancen. Unter ihrer Führung soll die Synode im kommenden November den 15-köpfigen Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wählen und dessen Vorsitzenden. Derzeit ist das der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Ein Bischof und eine Nichttheologin – so sieht für Protestanten eine gute Kirchenspitze aus.

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