Der Traum vom Frieden auf Erden ist ausgeträumt


Die Ukraine-Krise und die Annexion der Krim, in der Russlands Präsident Wladimir Putin eine tragende Rolle spielt, zeigen: Selten war so viel Zusammenbruch, Aufbruch und Umbruch wie heute, wobei doch die Geschichte schon zu ihrem Ende gekommen sein soll Foto: AFP
Nach dem Ende des Kalten Krieges glaubten wir im Westen an den Beginn eines paradiesischen Zeitalters. In ihm seien Frieden und Demokratie selbstverständlich. Heute wissen wir: alles Kokolores.


Von Michael Stürmer|DIE WELT

Es war im ahnungsvollen Sommer 1989, als in der amerikanischen Zeitschrift „The National Interest“ tatsächlich nichts Geringeres als das Ende der Geschichte verkündet wurde. Vorsichtshalber hatte der amerikanische Autor Francis Fukuyama, dem seine exzentrischen Ansichten zu Weltruhm verhalfen, die Botschaft noch mit einem Fragezeichen versehen. Der Autor kam von der RAND Corporation im pazifischen Santa Monica und war abgeordnet zum Planungsstab des State Department in Washington.

Was er dort zu Papier brachte, holte sich Inspiration aus den Schriften des lange verblichenen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der im preußischen Staat seiner Epoche die Verkörperung der Vernunft in der Zeit zu erkennen glaubte. Der Autor hätte gewarnt sein können, denn im Gegensatz zu Preußens Staatsphilosophen, der die Revolution für überwunden hielt, kannte er schon das Ende im weitergehenden Revolutionszeitalter. Fukuyama jedenfalls verkündete reinen Herzens den abschließenden Triumph von Demokratie und freiem Unternehmertum, Maßstab und Ziel aller Geschichte, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

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