Ungarn: Bischof kritisiert Todesstrafen-Vorstoß Orbans


Viktor Orbán (2010), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.5
Scharfe Kritik an den jüngsten Aussagen von Ministerpräsident Viktor Orban zur Todesstrafe hat der ungarische Bischof Miklos Beer geübt. Ungarns nationalkonservativer Ministerpräsident hatte in der vergangenen Woche erklärt, die Wiedereinführung der Todesstrafe solle auf der Tagesordnung bleiben. Die Einführung der tatsächlich lebenslangen Freiheitsstrafe habe laut Orban nicht ausgereicht, um Verbrecher abzuschrecken, weshalb man die Frage der Todesstrafe in Ungarn auf der Agenda behalten müsse.


kathweb

Beer, der für Vac in Nordungarn zuständige Diözesanbischof, sagte, er lehne die Wiedereinführung der Todesstrafe kategorisch ab. „Ich habe die Überzeugung, dass jedes Leben ein Geschenk Gottes ist. Die Todesstrafe ist keine Lösung, auch wenn wir uns noch so strikt vor Verbrechern schützen wollen“, hob der Bischof in einem Interview für den Privatsender „Klubradio“ hervor. Er glaube nicht, dass die Wiedereinführung der Todesstrafe Verbrecher stärker abschrecken würde.

Wie die Tageszeitung „Nepszabadsag“ berichtete, brachte die Äußerung des Regierungschefs seinen Koalitionspartner, die Christdemokratische Volkspartei (KDNP), in Verlegenheit. Vizeparteichef Bence Retvari meinte: „Ein gläubiger christlicher Politiker kann die Todesstrafe nicht unterstützen, ohne dabei der Lehre der Kirche zu widersprechen.“ Peter Harrach, Fraktionsvorsitzender der Partei, ist der Meinung, dass dann, wenn kein weiteres Mittel zur Verhinderung einer Straftat und zum Schutz der Gesellschaft mehr vorhanden sei, die Todesstrafe angewendet werden dürfe. György Schöpflin, EU-Abgeordneter von FIDESZ, lehnt diese Stafmaßnahme ab, denn „sie verletzt die Menschenwürde sowie das Prinzip, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf“.

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