Dogmatiker: Christentum auf dem Weg zum pluralen Weltchristentum


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Der Linzer Dogmatiker Franz Gruber sieht das Christentum auf dem Weg zu einem pluralen Weltchristentum, das nicht mehr lange europazentriert bleiben wird: „Die Art und Weise, Christ zu sein, wird sehr bunt, und dieser Trend wird sich fortsetzen“, so Gruber. Anders als früher, habe das Christentum heute mit einem religiösen Markt zu tun, auf dem es sich bewähren müsse; denn in der Lebensrealität vieler Menschen habe Religion zwar einen Platz, aber oft nicht mehr selbstverständlich mit kirchlicher Zugehörigkeit. Gruber äußerte sich am Donnerstag im Rahmen des „Theologischen Tages“ zum Thema „Ohne Kirche selig?“ gemeinsam mit 70 Seelsorgern und der Linzer Pastoraltheologin Hildegard Wustmans.


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Rückläufig sei auch die Tendenz, in der Familie die nachfolgende Generation kirchlich zu sozialisieren. Unter dem Schlagwort „Selbst-Missionieren“ ginge der Trend hin zu einer sehr individuellen und persönlichen christlich und kirchlichen Sozialisierung. Zunehmende Bedeutung käme auch spirituellen Bewegungen und Großevents, wie etwa dem Weltjugendtag, zu. Eine „besonders Strahlkraft“ attestierte Gruber dem Papstamt. „Der Papst ist Identifikationsfigur, die den Katholizismus verkörpert und die auch die Medien fasziniert“, so Gruber. In Anbetracht der zunehmenden Islamisierung werde in Europa auch das „militante Kulturchristentum“ anwachsen. Gleichzeitig prognostiziert Dogmatiker ein Anhalte der Säkularisierung.

Dieses Szenario bringt laut Gruber Verluste, aber auch Gewinne für die Kirche. So verliere Kirche in der westlichen Gesellschaft an Relevanz und Plausibilität, die religiöse Sprache bzw. die Riten würden weitgehend nicht mehr verstanden, Suchende wenden sich verstärkt der fernöstlichen Spiritualität zu. Als Gewinn sieht Gruber die „Irritationserfahrung“, die sich daraus ergebe. „Gewohnheiten werden erschüttert, die eigene Identität wird hinterfragt, Innovationen und Experimente müssen gewagt werden.“

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