Jüdisches Filmfestival: Gott vor Gericht


Zeugen des Horrors. „The Eichmann Show“, Szene mit Anthony Lapaglia und Martin Freeman. – Foto: BBC/Feelgood Fiction
Wunderbar böse und tief human: Das Programm des 21. Jüdischen Filmfestivals Berlin & Potsdam, das am 10. Mai im Hans Otto Theater beginnt. Es treten auf: Gott als Angeklagter, vierjährige Schachspielerinnen und Fritten, die die Nation bedeuten.


Von Kerstin Decker|DER TAGESSPIEGEL

Und Gott schuf die Völker, die Völkervölker und Völkervölkervölker, an die Seite seines Herzens aber setzte er die Juden, weil sie „ihm verantwortlicher und zärtlicher geraten waren“. Er „pflückte einen Stern von seinem Kleide und hob das Kind unter den Völkern zu sich empor“. So konnte Else Lasker-Schüler noch auf die Nachricht eines Pogroms reagieren, irgendwo im Osten, im Jahr 1920: Sie schrieb den „Wunderrabbi von Barcelona“, las ihn in vielen deutschen Städten. Die große jüdisch-deutsche Dichterin starb im Januar 1945 in Jerusalem, fünf Tage später wurde Auschwitz befreit.

Überlebende berichteten immer wieder, dass Häftlinge des Vernichtungslagers Gott den Prozess gemacht haben. Der Herr bekam, wie das jedem zusteht, natürlich auch seinen Verteidiger. Die Anklage lautete, der Höchste habe den Bund gebrochen, den er mit dem Volke Israel geschlossen habe.

„Lasst euch Gott nicht nehmen, selbst wenn es ihn nicht gibt!“

Es ist nicht recht vorstellbar, wie Else Lasker-Schüler auf die Nachricht dieses Prozesses reagiert hätte. Auf diese allerbitterste Komik der Verzweiflung. Der Brite Andy de Emmony, sonst durchaus auch mit Werbespots und TV-Serien befasst, hat „God on Trial“ verfilmt: Da ist der Säkularjude Mordechai (Rupert Graves), der vor allem Zorn auf Gott empfindet, während sein tiefgläubiger Vater sich auch jetzt noch weniger für Gott als für den Sohn schämt.

weiterlesen