Menschenwürde ist nicht genuin christlich


Nach Nagoya und Cancun - Kultur, Technik und Natur für die neue Menschenzeit

Bei allen Diskussionen um die Universalisierbarkeit der Menschenrechte müsse klar sein, dass diese „nur der Ernstfall der Menschenwürde“ seien. Dies hob die Wiener Religionswissenschaftlerin Birgit Heller im Kathpress-Gespräch hervor: „Wenn es hier zu keiner Verständigung kommt, kann man sich die ganzen Debatten im Letzten sparen.“ Für Heller gibt es beim säkularen wie religiösen Verständnis der Menschenwürde die Schwierigkeit, eine Balance zu finden zwischen dem Moment der gemeinschaftlichen Verbundenheit und dem Stellenwert, der dem einzelnen Menschen zugeschrieben wird.


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Problematisch sei in der aktuellen Situation, dass ein „Autonomiewahn“ praktiziert werde, der die Freiheit des einzelnen Menschen überbetone und „für uns alle viele negative Ergebnisse zeitigt“, so Heller: Dies zeige sich beispielsweise in der Infragestellung des Generationenvertrags, der die Versorgung älterer Menschen regelt. Die säkulare Welt und die religiösen Gesellschaften werden laut Heller einen schmerzhaften Lernprozess durchlaufen müssen, um „Schräglagen“ in den Griff zu bekommen und „aus diesem Lernen zu anderen Einsichten und Einstellungen“ zu kommen.

Ein mögliches Versäumnis der katholischen Kirche in Bezug auf die Hervorhebung der Menschenwürde sieht die Religionswissenschaftlerin darin, dass dieser Bereich „zu wenig stark auf der lehramtlichen Ebene betont“ worden sei: „Es gibt viele verschiedene Dialogbemühungen und Gruppen, die sich auf unterschiedlichsten Ebenen für die Menschenwürde einsetzen.“ Dieses Engagement werde „zu wenig öffentlich gemacht“ und sollte laut Heller „mehr gebündelt“ werden.

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