Tierversuche: „Wir müssen diese Polarisierungen überwinden“


Bild: animalequality.de
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Nach monatelangen Drohungen hat der Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis angekündigt, seine Affenversuche einzustellen. Max-Planck-Kollege Wolf Singer spricht über seine Enttäuschung und seine eigenen schlechten Erfahrungen.


Von Joachim Müller-Jung|Frankfurter Allgemeine

FRAGE: Herr Singer, Sie waren schon in den neunziger Jahren als Affenquäler beschimpft und bedroht worden. Können Sie die Entscheidung des Kollegen Logothetis nachvollziehen, die Primatenforschung zu beenden?

ANTWORT: Wir bedauern das alle sehr. Er hat wunderbare Forschung gemacht, und es bestand für ihn kein inhaltlicher Grund, das aufzugeben. Aber er war eben einem massiven Mobbing ausgesetzt, und dem konnte er nicht widerstehen.

FRAGE: Sie haben ähnliche Erfahrungen gemacht, dennoch haben Sie nicht aufgehört zu forschen. Haben Sie die Bedrohung verdrängt?

ANTWORT: Das geht ja immer noch weiter. Ich bin jahrelang immer wieder persönlich bedroht worden, ebenso meine Kinder. Meinen Nachbarn wurde gesagt, dass sie in der Nähe eines Mörders, Sadisten, Kriminellen leben, ich bin immer wieder mit Mengele verglichen worden, hatte lange Zeit Telefonterror mit sechs Anrufen pro Nacht. Man drohte mir, mein Auto in die Luft zu sprengen, ich musste immer wieder neue Routen fahren, war eine Zeitlang mit Personenschutz unterwegs. Ich musste meine Pakete zur Polizei tragen und sie vom Schnüffelhund nach Bomben absuchen lassen.

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