Vergeltungsplan nach Kriegsende: „Nehmt Rache!“


Das Foto zeigt Kovner, Mitte oben, im Kreis seiner Mitstreiter 1944 nach Vilnius' Eroberung durch die Rote Armee. Bild: Yad Vashem
Das Foto zeigt Kovner, Mitte oben, im Kreis seiner Mitstreiter 1944 nach Vilnius‘ Eroberung durch die Rote Armee.
Bild: Yad Vashem
Erbittert hatte Abba Kovner gegen die Nationalsozialisten gekämpft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollte der jüdische Partisan Rache für den Holocaust nehmen – mit der Vergiftung von Millionen Deutschen.


Von Gerhard Spörl|SpON EINESTAGES

Der Krieg war aus, jetzt kam die Zeit der Rache. Rund 50 jüdische Männer und Frauen sammelte Abba Kovner um sich. Sie hatten wie er als litauische Partisanen gegen die deutschen Besatzer gekämpft oder ein Konzentrationslager im Osten überlebt. „Wir müssen der Welt zeigen, dass niemand so viel Blut vergießen kann, ohne dafür entsprechend zu zahlen“, schwor Kovner sie ein. Blut für Blut.

Wie die Deutschen wollten sie wahllos töten: Männer, Frauen, Alte, Kleinkinder, Säuglinge. Und sie wollten möglichst genauso viele Deutsche töten, wie die Deutschen Juden getötet hatten. „Dahm Israel Nakam“ nannte Kovner seine Gruppe – „Das Blut Israels wird über euch kommen“. Sie wollten Rache üben im Namen der vielen Juden, die während des Holocausts in Synagogen und jüdischen Wohnvierteln ihre Verzweiflungsschreie an die Wände geschrieben hatten: „Wir werden ermordet, nehmt Rache!“

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