Georg Hoffmann-Ostenhof: Postsäkular


jesus_schaukelDie Weltreligionen sind auf dem Vormarsch. Trotzdem schreitet die Emanzipation des Menschen von den Göttern weiter fort.


Von Georg Hoffmann-Ostenhof|profil.at

Als Jürgen Habermas in seiner Friedenspreisrede des Jahres 2001 von der „postsäkularen Gesellschaft“ sprach, war ein Begriff geboren, der in der Folge eine spektakuläre Karriere machen sollte. Der deutsche Philosoph meinte damit, die moderne Welt sei in eine Phase eingetreten, in der sie nicht auf die „Ressourcen der Sinnstiftung“ und auf Wahrheiten, die in der Religion verborgen und „verkapselt“ seien, verzichten könne. In der breiten Öffentlichkeit angekommen ist das, was Habermas sagte, völlig anders. Wenn heute landauf, landab mit Gusto von der postsäkularen Gesellschaft gesprochen wird, in der wir leben, dann heißt das einfach: Die Religionen sind zurückgekehrt.

Die Kirchen freuen sich über diesen Befund. Der verspricht ihnen eine Zukunft, die sie vielfach schon verloren geglaubt hatten. Viele sehen andererseits mit Schrecken, wie immer öfter ausbrechende Kriege religiös motiviert sind und vielfach auch vormals weltliche Politik sakralisiert wird.

Aber stimmt überhaupt die Diagnose? Erlebt die Welt wirklich das Ende der Säkularisierung und eine Renaissance des Glaubens?

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