Homosexualität: „Kirchen sind fortschrittlicher als unsere Bundesregierung“


Theologe und Autor David Berger (picture alliance / dpa / Foto: Karlheinz Schindler)
Die evangelischen Kirchen in Hessen und Berlin-Brandenburg wollen auch homosexuelle Paare trauen. Das sei wirkliche Gleichstellung, sagt der Theologe David Berger. Damit senden die Kirchen ein Signal an die Bundesregierung, die nur die für die sogenannte „Homo-Ehe“ ist.


Theologe David Berger im Gespräch mit Philipp Gessler|Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Homosexuelle und Kirche, das ist keine Liebe auf den ersten Blick, zumindest meistens nicht – und Zwiespältiges gibt es derzeit mal wieder zu beobachten: In der evangelischen Kirche gibt es manche Fortschritte in Sachen Akzeptanz und Gleichberechtigung von Homosexuellen, etwa die Ernennung des bekannten schwulen Propstes Horst Gorski aus Hamburg zum neuen Leiter des Amtes der lutherischen Kirchen Deutschlands und zum Vizepräsident des EKD-Kirchenamts in Hannover – ein großer Fortschritt. Dagegen scheint die Entwicklung in der katholischen Kirche eher rückwärts zu gehen. Jüngstes Beispiel: Der Vatikan weigert sich beharrlich, den designierten französischen Botschafter am Heiligen Stuhl zu akkreditieren – weil er schwul ist. Mit dem bekannten schwulen Theologen David Berger habe ich über diese divergierenden Entwicklungen gesprochen. Meine erste Frage an ihn war, ob zumindest in der evangelischen Kirche Schwule und Lesben nun endgültig und völlig anerkannt seien.

David Berger: Zum einen sind das natürlich Teilkirchen der evangelischen Kirche, wo auch wirklich ungeheure Fortschritte erzielt worden sind, das kann man überhaupt nicht anders sagen, das ist großartig, was da erreicht worden ist. Das sind Teilkirchen, die ein wichtiges Signal geben, aber deswegen von einer völligen Anerkennung in der gesamten evangelischen Kirche in Deutschland zu sprechen, wäre natürlich noch zu viel. Das heißt, wir haben auch in der evangelischen Kirche nach wie vor evangelikale Kreise, wir haben Landeskirchen, die sich da nicht so weit vortrauen wie in Berlin-Brandenburg oder in Hessen, wo wir ja schon seit längerer Zeit eine ähnliche großzügige Regelung haben, wo wir wirklich von einer vollkommenen Gleichstellung von Schwulen und Lesben reden können. Es ist Großes erreicht worden mit wichtiger Signalwirkung, aber es ist auch in der evangelischen Kirche noch vieles zu tun.

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