David Grossman: Die Wunde


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Seit 50 Jahren haben Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen. Ein Gespräch mit dem Schriftsteller über das Land der Täter.


Interview von Carsten Hueck|Süddeutsche.de

David Grossman, 1954 in Jerusalem geboren, arbeitete bis in die Achtzigerjahre für den israelischen Rundfunk. Seine Romane wurden in 35 Sprachen übersetzt, darunter Klassiker der hebräischen Gegenwartsliteratur wie „Stichwort Liebe“ und „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“. Grossman, der sich in seinen Essays für einen Frieden mit den Palästinensern einsetzt, protestierte im Frühjahr gegen die Versuche des Premierministers Benjamin Netanjahu, die Jury des Israel-Preises mit dem Argument umzubesetzen, ihr gehörten zu viele „Linke“ und „Anti-Zionisten“ an. Wir treffen uns in einem Hotelrestaurant im Viertel Mishkenot Sha’ananim, mit Blick auf die Altstadtmauer von Jerusalem. Es ist diesig an diesem Tag, ein Sandsturm zieht über die Stadt hinweg. Grossman, seit 2010 Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, ist froh, von der Tagespolitik abgelenkt zu werden. Im fünfzigsten Jahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland spricht er über sein Verhältnis zu dem Land, dessen Name in seiner Kindheit unaussprechbar war.

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