Eisenacher Luthergespräch: Warum Religion nicht (nur) Privatsache ist?


Am 2. Luthergespräch in der Georgenkirche nahmen teil (v. l.): Prof. Dr. Christopher Spehr, Prof. Dr. Christoph Kähler, Ministerpräsident Bodo Ramelow, Prof. Dr. Michael Germann und TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue. Foto: Alexander Volkmann
Kaum ein anderer Thüringer Landespolitiker bekennt sich so demonstrativ zum christlichen Glauben wie Ministerpräsident Bodo Ramelow. Doch bei der Vereidigung als Regierungschef verweigerte er den Gottesbezug. Beim Eisenacher Luthergespräch sagte er, warum.


Von Frank Schauka|Thüringer Allgemeine

Paul-Josef Raue: Herr Ramelow, als Sie zum Ministerpräsidenten vereidigt wurden, haben Sie in der Eidesformel auf Gott verzichtet. Warum?

Bodo Ramelow: Ich bin gläubiger Christ, und ich habe nicht auf Gott verzichtet. Ich habe lediglich für mein staatliches Amt den Gottesbezug in der Eidesformel nicht benutzt. Ich wollte damit nicht meinen Glauben verleugnen oder Distanz zu ihm ausdrücken. Raue: Sehen Sie Religion als Privatsache an? War das auch ein Grund für den Verzicht auf den Gottesbezug?

Ramelow: Nein. In der DDR gab es den Versuch der Trennung zwischen Staat und Kirche. Damit war gemeint: Religion sollte in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrzunehmen sein. Das ist eine Perspektive, die ich nicht teile. Deswegen lebe ich meinen Glauben und bekenne mich zu ihm. Aber ich muss als Amtsinhaber deutlich machen, dass nach unserem Grundgesetz ein Moslem den gleichen Anspruch hat, seinen Glauben zu leben, wie ein Jude oder ein Christ.

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