Indische Hindutva-Bewegung: Fasziniert vom Faschismus


Anhänger der indischen Oppositionspartei BJP feiern sich als Wahlsieger (2014). (pa/dpa/EPA/Solanki)
Die indische Hindutva-Bewegung ist eine Mischung aus politischem Nationalismus und religiösem Hinduismus. Die ihr verbundene Partei BJP stellt seit einem Jahr die Regierung. Wie hat sich das Land seither verändert?


Von Antje Stiebitz|Deutschlandradio Kultur

Indien. Ein Land mit über 1,2 Milliarden Einwohnern. Davon gehören rund 830 Millionen Menschen einer indischen Religion an. Hierzu zählen die Verehrer der weiblichen Urkraft, genauso wie die Anhänger des Flöte spielenden Gottes Krishna. Die nackten heiligen Männer, die in der Askese ihre Bestimmung finden, ebenso wie die Priester, die aufwendige Rituale durchführen.

Diese sehr unterschiedlichen religiösen wie philosophischen Weltbilder werden der Einfachheit halber gerne unter dem Begriff „Hinduismus“ zusammengefasst. Dabei stellte der Tübinger Indologe Heinrich von Stietencron bereits vor rund 25 Jahren fest, dass der Hinduismus nichts anderes sei als eine von der europäischen Wissenschaft gezüchtete Orchidee. Der Sammelbegriff „Hinduismus“ fußt auf einer starken Vereinfachung der britischen Kolonialherren im 19. Jahrhundert, die damit pauschal alle Gläubigen benannten, die einer indischen Religion angehörten, die sie nicht kannten.

Doch auch die Hindu-Nationalisten von heute wollen die indischen Religionen verengen, ihnen ein einheitliches Gesicht verpassen. Als Dreh- und Angelpunkt der zahlreichen hindunationalistischen Organisationen gelten drei Zusammenschlüsse: Die aktuelle Regierungspartei Bharatya Janata Party, kurz BJP, ist die parlamentarische Vertretung. Der Rashtriya Swayamsevak Sang, kurz RSS, bildet die organisatorische und ideologische Basis. Und der Vishwa Hindu Parishad, kurz VHP, tritt als Autorität für religiöse Fragen auf.

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