Satire im Islam: Religion schlägt Meinungsfreiheit


Ein Mann protestiert im Januar 2015 gegen die liberale türkische Zeitung „Cumhuriyet“, nachdem sie den Propheten Mohammed abgebildet hat. | © reuters
Zwei türkische Journalisten haben Mohammed-Karikaturen gedruckt. Dafür müssen sie vielleicht ins Gefängnis. Konservative Redakteure fänden das angemessen.


Von Çiğdem Akyol|ZEIT ONLINE

Als alles vorbei war, saßen die Journalisten in ihren Büros und wagten sich nicht mehr nach draußen. Innerhalb weniger Stunden waren Tausende Hassmails eingegangen, draußen tobte ein wütender Mob und die Polizei musste die Straßen drumherum tagelang absperren. „Es ging um die Verteidigung der Demokratie. Es ging um Selbstzensur, und es war natürlich auch die letzte Ehre, die wir den Ermordeten gegenüber erweisen konnten“, sagt die Journalistin Şükran Soner: „Deswegen haben wir die Provokation gewagt und unsere eigenen Leben riskiert.“

Um sich mit den ermordeten Redakteuren des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo zu solidarisieren, hatte die Tageszeitung Cumhuriyet, für die Soner arbeitet, in einer ersten Reaktion selbst Bilder von Propheten gedruckt, nicht jedoch Mohammed. Die Redaktion sei sich einig gewesen, dass Je-suis-Charlie-Buttons nicht ausreichen würden, um sich mit ihren ermordeten Kollegen zu solidarisieren. Später ist sie noch einen Schritt weiter gegangen und hat eigene Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Seitdem kommt die Zeitung nicht mehr zur Ruhe.

weiterlesen