Ebola: Seit Jahrzehnten in Westafrika – und niemand merkt’s?


Ebolavirus, Bild. wikimedia.org/PD
Bereits 1982 weisen deutsche Forscher mögliche Ebolainfektionen in Liberia nach, doch ihr Ergebnis gerät in Vergessenheit. Wie kann das passieren?


Von Franziska Badenschier|Spektrum.de

„Niemand kann mit gutem Gewissen sagen, es hätte keine Warnung gegeben. Ebola war bereits hier.“ Ob Liberias oberste Gesundheitsbeamtin, Bernice Dahn, diese Worte für einen Gastkommentar in der „New York Times“ wütend oder resigniert niedergeschrieben hat, lässt sich nicht sagen. Ihr Erstaunen klingt zwischen den Zeilen jedenfalls durch.

Im März hatte die Medizinerin mit Kollegen den Ebola-Sanierungsplan für Liberia vorbereitet. Dafür sei sie auch die Fachliteratur zum Thema Ebola in Liberia systematisch durchgegangen – dabei habe sie einen Fachartikel gefunden. Die Blutproben von 433 Liberianern aus dem ganzem Land enthielten Antikörper gegen Erreger von hämorrhagischen Fiebern: bei 17 Prozent gegen das Lassavirus, bei anderthalb Prozent gegen das Marburg-Virus – und bei sechs Prozent gegen das Ebolavirus, das zu jener Zeit angeblich noch gar nicht im Land war.

„Was uns entsetzt hat, waren nicht die Wörter, sondern wann sie geschrieben wurden“, so Bernice Dahn mit zwei weiteren Autoren in der „New York Times“: „Das Papier wurde 1982 veröffentlicht.“

Die Proben stammen sogar bereits aus den Jahren 1978 und 1979. Das heißt, bereits vor dreieinhalb Jahrzehnten gab es in Liberia wohl Menschen, die eine Ebolainfektion überlebt hatten. Währenddessen lassen Medien und Mediziner, Wissenschaftler und die Weltgesundheitsorganisation seit jeher verlauten: Die aktuelle Ebolaepidemie in Westafrika war unvorhergesehen – in diesem Teil Afrikas sei das Ebolafieber noch nie ausgebrochen, ja, es habe auch niemand damit gerechnet.

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