Religionskritik: Unterscheiden statt polemisieren


Katholiban "Großstadt-Mission" in elf Städten Europas

Beim Zweiten Vatikanum hat die katholische Kirche die Religionsfreiheit anerkannt. Das sollten auch Bekenntnislose anerkennen, statt sich in substanzloser Religionskritik zu ergehen und dem Fundamentalismus damit Tür und Tor zu öffnen


Kommentar der anderen |Józef Niewiadomski|derStandard.at

„Weihrauch statt kritischer Analyse“ habe der ORF im Radiokolleg: Gewalt und Religion serviert. Die anschauliche Formel verdichtet den von Martin Praska an diesem Ort veröffentlichten Kommentar („Religion ist friedlich, der Kimono griechisch“, STANDARD vom 6. Mai). Hätte sich Praska von der Etymologie des Wortes Kritik inspirieren lassen, so müsste er damit ernst machen, dass Kritik vom „krinein“ kommt. Sie zeichnet sich durch die Gabe der Unterscheidung aus.

Mit einer solchen scheint er nicht gesegnet zu sein. Deswegen verkommt sein Text zum recht geistlosen „Abwatschen“. Auf dem Niveau und auch im Stil einer Bierstammtischrunde religionskritischer Zeitgenossen werden der Reihe nach: der ORF als eine kryptoreligiöse Funkanstalt entlarvt, der verantwortliche Gestalter der Sendung, Johannes Kaup, als „katholischer Theologe“ geoutet, die Sendereihe als „Schwafelei“ der Theologen diffamiert.

Wer auf diese Weise einen „kritischen“ Diskurs beginnt, will auf seinen gesellschaftlichen Ort, sein Interesse und auch sein Leiden aufmerksam machen. Als Vertreter von Menschen „ohne Bekenntnis“ beklagt Praska, dass dem „säkularen Element in unserer Gesellschaft“ und den „religionskritischen“ Sendungen im Radio kaum Raum gegeben werde. Deswegen verfestige die mediale „Volksbildung“ die Vorurteile eines „katholischen Landes“. Und wer will heute schon in einem Land leben, dessen Lebenskultur Praska auf die prägnante Formel bringt: „Hände falten, Gosch’n halten“? Schon diese Qualifizierung wird für den Applaus in der Stammtischrunde sorgen.

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