Komplexität als Kerngeschäft


Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Die Evolutionstheorie besagt nicht, dass wir vom Affen abstammen; es ist etwas komplizierter
Viele Menschen erwarten von der Wissenschaft einfache Antworten auf komplexe Fragen. Doch Forschungsergebnisse haben es an sich, die Dinge nicht einfacher, sondern komplizierter zu machen.


Von Servan|NZZ Campus

In einem früheren Beitrag hatte ich die Fehlbarkeit von Hypothesen als eine entscheidende Stärke der Wissenschaft bezeichnet. Wissenschaftliche Forschung ist nur deshalb so erfolgreich, weil das regelmässige Korrigieren von Fehlern zum Tagesgeschäft gehört.

Wenn es aber darum geht, neue wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zu vermitteln, dann kann die Fehlbarkeit rasch zur Bürde werden.

Grauzonen statt Schwarz und Weiss

Viele von uns erwarten klare Antworten und einfache Lösungen von der Wissenschaft. Sie soll uns zeigen, wie wir die Herausforderungen des Klimawandels meistern, gesund bleiben und glücklich durch das Leben schreiten können – und das Ganze am liebsten so schnell, bequem und günstig wie möglich.

Doch Wissenschaft hat die Angewohnheit, aus einem «Entweder-Oder» ein Kontinuum zu schaffen; Schwarz und Weiss in Grauzonen zu verwandeln. Kurz: Sie ist sehr erfolgreich darin, die Dinge ausgesprochen kompliziert zu machen.

Wissenschaftliche Erklärungen sind selten intuitiv

Die Erarbeitung der Evolutionstheorie ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Mitte des 19. Jahrhunderts räumten Charles Darwin und Alfred Wallace mit der Idee auf, dass es so etwas wie eine von Gott gegebene Hierarchie der Arten mit dem Menschen an der Spitze gibt. Ihre Erläuterungen sind auch heute noch weitgehend schlüssig, doch intuitiv zugänglich waren sie nie. Im Gegenteil: Die Evolutionstheorie hat die Beschreibung der Welt nicht einfacher, sondern komplizierter gemacht.

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«Piled Higher and Deeper» by Jorge Cham, http://www.phdcomics.com