Türkei: Schweinespeck ist gottlos


Selahattin Demirtas, Co-Vorsitzender der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP). Er wird jetzt von Medien beschimpft, weil er ein Brot mit Schweinespeck darauf aß Foto: REUTERS
Im türkischen Wahlkampf wird der Ton rau: Die AKP und regierungstreue Medien attackieren einen kurdischen Politiker. Denn: Er hat Schweinespeck gegessen. Nun wird ihm Gottlosigkeit vorgeworfen.


Von Deniz Yücel|DIE WELT

Schweinespeck auf einem Brot ist an sich nichts Ehrenrühriges. Der Belag kann aber politisch relevant werden, wie sich nun zeigt, wenn der Verzehr Gegenstand des Wahlkampfs wird. So geschieht es derzeit in der Türkei, wo sich Selahattin Demirtaş, der Co-Vorsitzende der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), für eben jenes Verbrechen rechtfertigen muss: Schweinespeck auf Brot.

Publik wurde Demirtaş kulinarische Vorliebe am Morgen, als sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ im Juli 2014 mit dem Kurdenpolitiker zum Frühstück traf und darüber berichtete. Der Artikel schlug damals keine größeren Wellen, fast ein Jahr danach erkennen regierungstreue Medien in der Türkei und einige Politiker der islamischen AKP nun das bislang ignorierte Skandalpotenzial.

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