Deutsch-Polnische Kampfbrigade: Der Traum vom „Generalgouvernement“?


Lage des Generalgouvernements (Distrikt Galizien schraffiert). Bild: wikimedia.org/GFDL
Mit Blick auf Russland gleicht der Westen einem sorgenvollen Kaninchen. Europa muss sich wandeln und alles dafür tun, in Moskau ernst genommen zu werden. Die Bundeswehr sollte in Polen tätig werden.


Von Jacques Schuster|DIE WELT

Auch wenn sie es öffentlich niemals zugäben: Für die Balten gleicht der Westen einem Kaninchen. Sorgenvoll blickt es auf den Kremlherrn, um im Notfall Reißaus zu nehmen und sich aus verlässlicher Entfernung erneut eher hasenfüßig als entschlossen der Gefahr zuzuwenden. Wladimir Putin ist den Balten hingegen ein gewiefter Spurenleser auf dem Feld europäischer Ängste.

Jede Regung der Europäer nimmt er wahr und sucht, sie für sich zu nutzen. Für Litauer, Letten und Esten ist klar: Putins Bedarf an der Weltgeschichte ist nicht gedeckt – und das, obwohl er die Krim noch nicht ganz verdaut hat. Der russische Präsident folgt einer Mission. Sie gipfelt darin, sein daniederliegendes Reich wiederaufzurichten und zu neuer Größe zu führen. Zwar freuen sich die Balten über die jüngsten Solidaritätserklärungen ihrer westlichen Nato-Partner, der Gedanke an eine schnelle Eingreiftruppe möglichst unter amerikanischer Führung macht sie froh, doch beruhigen lassen sie sich durch die Taten der Nato bisher nicht.

Wer wollte es ihnen verübeln? Wer auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts schaut, der versteht, warum Balten und Polen ein unbedingtes Vertrauen in das eigene Bedrohungsgefühl, aber ein geringes in das ihrer westlichen Nachbarn besitzen. So tun sie alles dafür, die Garantieerklärungen derart mit Leben zu füllen, dass sie am Ende West-Berlin im Kalten Krieg ähneln und vor der Gefahr eines Einmarsches durch alliierte Soldaten so weit geschützt sind, wie es geht.

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