Arabische Welt: Politisch ausverkauft


Barack Obama mit Scheich Tameem bin Hamad Al Thani, Emir von Qatar (Mitte), und dem Innenminister Saudi-Arabiens, Kronprinz Mohammed bin Nayef bin Abdulaziz Al Saud – Foto: dpa
Die arabische Welt ist marode, leblos und politisch erstarrt. Im Nahen Osten gewinnen dafür andere Staaten an strategischer Bedeutung.


Von Martin Gehlen|DER TAGESSPIEGEL

Als ihre Welt noch in Ordnung war – der Ölpreis hoch, die Waffenbestellungen opulent und der Iran fest verschraubt in der Achse des Bösen – fühlten sich die Golf-Herrscher in Washington stets hochwillkommen. Demonstrativ genossen sie ihre Rolle als exklusive Verbündete. Ihre regionalpolitischen Ansichten wurden im Weißen Haus weitgehend geteilt und ihre Rüstungswünsche stets wohlwollend bedient. Seit sich jedoch bei den Atomgesprächen mit der Islamischen Republik Iran eine historische Einigung abzeichnet, gehen zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten die Wogen hoch. Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten war die Stimmung so grollend und angespannt. Der saudische König Salman ließ Barack Obamas Einladung zu einem Gipfeltreffen nach Camp David kurzfristig platzen. Bahrains Monarch reiste lieber zu einer Pferdeschau nach Großbritannien. Die Herrscher von Oman und den Emiraten dagegen sind schwer krank. Und so erschien Mitte der vergangenen Woche auf dem waldigen Feriensitz des amerikanischen Präsidenten nur das ungleiche Duo aus Qatars 34-jährigem Nachwuchs-Emir und seinem steinalten 85-jährigen Herrscherkollegen aus Kuwait.

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