Der Mann, der den Schöpfer verriet


Whistleblower Ryu Young-joon wurde hingegen geschasst. foto: ap photo/joyce lee
Der Whistleblower, der die Fälschungen des Stammzellenforschers Hwang Woo-suk ans Licht brachte, wurde geächtet – nun bricht er sein Schweigen


Von Fabian Kretschmer|derStandard.at

Als Ryu Young-joon nach einem langen Arbeitstag im Krankenhaus die Redaktionsräume des Fernsehsenders MBC betritt, lässt er sein bisheriges Leben für immer hinter sich. Er wird von einem Produzenten für investigative Recherchen in Empfang genommen, in einen leeren Konferenzraum geführt. Die beiden reden mit gedämpfter Stimme, die Rollos zum Newsroom sind zugezogen. Äußerste Diskretion ist die Bedingung für dieses Treffen am 31. Mai 2005, dessen Nachbeben die südkoreanische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern wird.

Der damals 32-jährige Ryu ist angetreten, den größten Wissenschaftsskandal seines Heimatlandes aufzudecken. Er muss dafür gegen eine korrupte Elite ankämpfen, sein persönlicher Einsatz könnte höher kaum sein: Es geht um Ryus vielversprechende Karriere am koreanischen Krebsforschungszentrum, den Ruf seiner Familie, die Zukunft seines sechs Monate alten Sohnes. Gemeinsam mit dem Produzenten schreibt er eine Liste, die das schlimmstmögliche Szenario für ihn skizziert. „Alles, was ich mir damals auch nur im Entferntesten ausgemalt hatte, trat auch vollständig ein“, sagt Ryu fast zehn Jahre später.

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