Deutschland: Experten uneins über ärztliche Suizidbeihilfe


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Unter Theologen, Medizinern und Juristen bleibt die ärztlich assistierte Suizidbeihilfe umstritten. Der emeritierte Tübinger Theologe Dietmar Mieth nannte diese Form der Beihilfe auf einer Tagung in Köln am Samstag problematisch. Es sei fraglich, von Ärzten Tötungshilfen in Anspruch zu nehmen, wenn Mediziner andererseits bei der Organtransplantation über das strikte Hirntod-Kriterium auf das Tötungsverbot verpflichtet würden. Zu der Tagung hatten die Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen (KMF) und des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) geladen. Der Bundestag will voraussichtlich im Herbst über Gesetzentwürfe zu Sterbebegleitung und Suizidbeihilfe abstimmen.


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Nach Ansicht des Freiburger katholischen Theologen Magnus Striet kann die moralisch-ethische Legitimität des Suizids nicht verneint werden. Die Gabe des geglaubten Gottes bestehe für den Menschen darin, frei sein zu dürfen. „Zu dieser Freiheit gehört dann aber auch die Möglichkeit der Selbstaufhebung mithin die des Suizides“, so der Theologe. Zugleich wandte er sich gegen organisierte Sterbehilfe; es dürfe kein Druck auf alte Menschen zum Suizid entstehen.

Der lutherische Pfarrer und Buchautor Michael Frieß plädierte für die Möglichkeit des begleiteten Suizids. Das christliche Tötungsverbot verbiete Mord, aber nicht die Entscheidung des Menschen, sein irdisches Leben in die Hand Gottes zu geben.

Der belgische Ethiker Jean-Pierre Wils sprach sich für eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe aus. In zahlreichen Gesellschaften werde gegen ein Verbot und damit gegen einen „Rigorismus der Norm“ protestiert. Er lehnte es ab, Menschen mit Suizidabsichten zu pathologisieren. Dies bedeute eine Entmündigung der betroffenen Person. Es gebe authentische Sterbewünsche

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