Leben und sterben lassen


Elizabeth Kolbert Das sechste Sterben Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff Verlag: Suhrkamp, Berlin 2015 ISBN: 9783518424810 24,95 €
Elizabeth Kolbert
Das sechste Sterben
Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff
Verlag: Suhrkamp, Berlin 2015
ISBN: 9783518424810
24,95 €
Seit seinem Auftreten vor zirka 200 000 Jahren hat Homo sapiens seine Umwelt verändert: Anfangs unmerklich, seit der neolithischen Revolution vor gut 12 000 Jahren spürbar und seit Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts radikal.


Von Eckart Lohr|Spektrum.de

Heute ist sein Einfluss auf die Natur und das globale Ökosystem so tief greifend, dass der niederländische Meteorologe Paul Crutzen vorschlug, den jetzigen Abschnitt der Erdgeschichte, bislang als Holozän bezeichnet, in „Anthropozän“ umzubenennen. Mit dieser durch den Menschen geprägten Epoche beschäftigt sich die amerikanische Journalistin Elizabeth Kolbert im vorliegenden Buch, für das sie den Pulitzerpreis 2015 in der Kategorie „General Nonfiction“ erhielt.

Bereits das Aussterben des amerikanischen Mastodons, eines Rüsseltiers aus der Gattung Mammut, vor zirka 13 000 Jahren fällt mit der Ausbreitung des modernen Menschen zusammen und ist aller Wahrscheinlichkeit nach von ihm verursacht. Anhand der Fundgeschichte der Mastodonknochen erzählt Kolbert, wie der französische Naturforscher und Begründer der Paläontologie, Georges Cuvier (1769-1832), seine Theorie des Artensterbens entwickelte. Cuviers Entdeckung, dass Arten aussterben können und dass es eine Welt vor unserer Welt gab, ist eine ziemlich moderne Erkenntnis: Sie kam etwa zeitgleich mit der Französischen Revolution auf, was nach Kolbert „vermutlich kein Zufall war“. Cuvier hing allerdings noch nicht dem Evolutionsmodell an, im Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Jean Baptiste de Lamarck (1744-1829), sondern ging davon aus, dass die betreffenden Spezies durch Katastrophen ausgelöscht worden waren.

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