Spiegel: Nachvollziehbares, Aufgewärmtes und Klischees


Der Spiegel hat Evangelikale aufs Korn genommen. Dabei kommen viele Klischees zum Tragen Foto: SPIEGEL-Verlag / Wikipedia
Nun hat Der Spiegel mal wieder gläubige Protestanten in Deutschland aufs Korn genommen. „Evangelikale Gemeinden“ würden nicht nur großen Zulauf erleben. „Die konservativen Christen irritieren“ auch aus anderen Gründen die Amtskirche, analysiert das Nachrichtenmagazin. Vor allem würden sie „Populisten von Pegida bis zur AfD“ begeistern.


Von Christoph Irio|pro Medienmagazin

„Böse Geister sind Realitäten“ – so lautet das Stück. Der Spiegel hat für diese Story mit religions-soziologischem Zungenschlag gleich drei Redakteure in die Spur geschickt. Und die haben zur Veranschaulichung offenbar auch einen Gottesdienst besucht. „Deutschlands erste Megachurch“, das Gospel Forum in Stuttgart, liefert die bekannten Einstiegsszenen. Vor allem tritt Pastor Peter Wenz „wild gestikulierend“ als Krankenheiler auf.

Wer sich in der äußerst vielfältigen frommen Szene ein bisschen auskennt, der entdeckt in den neuen Spiegel-Enthüllungen manche nachvollziehbare Kritik, viele aufgewärmte Vorwürfe – und jede Menge Klischees. Die Autoren spannen den Bogen „von Stuttgart bis Bremen, vom Siegerland bis Sachsen“. Sie erwähnen Gruppierungen in den Landeskirchen, Pietisten, Baptisten, Pfingstler und auch Mennoniten. Irgendwie entsteht der Eindruck, alle solche Gemeinden und die Menschen, die sich ihnen anschließen, seien gleich. Nämlich konservativ. Mitunter sogar fundamentalistisch. Erfolgreich würden „die Evangelikalen“ allerorten „erzkonservative Werte“ propagieren, vor allem in Sachen Ehe, Sex und Erziehung. Dass sich die Evangelische Allianz gerade dadurch auszeichnet, dass sich unter ihrem Dach Gemeinden und Werke der unterschiedlichsten theologischen Prägungen, Traditionen und Glaubensstile sammeln, wird kaum deutlich. Dass in eben diesen christlichen Kirchen neben den Klischee-Brüdern auch viele Weltoffene, politisch Liberale und sozial Engagierte aktiv sind – Fehlanzeige.

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