Die Dompteure der Superviren


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Forscher erschaffen Viren, die ansteckender und leichter übertragbar sind als in der Natur, um etwa mit Impfstoffen auf Epidemien vorbereitet zu sein. Entkämen die Keime aber, könnten sie genau die auslösen. Ist die Forschung das Risiko wert?


Von Tanja Krämer|Technology Review

Als Ron Fouchier das Podium betritt, wird es still im Raum. Dutzende Gesichter wenden sich dem Niederländer zu, Journalisten zücken ihre Aufnahmegeräte. Es ist Mitte Dezember, ein Kongress in Hannover. Das Who’s who der Virenforschung hat sich versammelt, um über die brennendste Frage ihres Faches zu diskutieren. Es geht um viel. Um Geld, Reputation, die Wahrheit – und glaubt man einigen der Redner, womöglich sogar um die Zukunft der ganzen Welt. Die Frage lautet: Wie weit dürfen Forscher gehen, um die Menschheit vor Krankheiten zu bewahren? Und was passiert, wenn Forschung am Ende mehr schadet als nützt?

Im Mittelpunkt der Debatte steht die Arbeit von Wissenschaftlern wie Ron Fouchier. Der Virologe von der Universität Rotterdam erforscht Grippeviren, die zu den hartnäckigsten Krankheitserregern der Menschheit gehören. Weil sie sich rasend schnell verändern, können wir keinen dauerhaften Immunschutz gegen sie aufbauen. Auch Impfstoffe wirken nur kurz – bis ein neuer, mutierter Erreger die Runde um den Globus macht. Die Influenza hat immer wieder schwere Pandemien ausgelöst.

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