Historiker: „Wir sind mehr der Antike verpflichtet als dem Christentum“


foto: reuters / yannis behrakis Die Akropolis in Athen: „Von diesem griechischen Erbe zehrt und lebt unser Republikanismus“, sagt der deutsche Althistoriker Egon Flaig: „Und solange wir an ihm festhalten, kann die Religion nicht das Fundament unserer politischen Ordnung sein.
Europa und Griechenland? Krise! Dabei verbindet sie mehr, als viele ahnen, sagt Egon Flaig


Interview | Lisa Nimmervoll|derStandard.at

STANDARD: Sie fordern in Ihrem Buch „Gegen den Strom“, die EU, die Sie für „ein Meisterwerk technokratischer Bankrotteure“ halten, „muss aufgelöst werden“. Warum und was kommt danach?

Flaig: Die EU ist kein demokratisches Gebilde – es gibt kein europäisches Parlament, keine gleichen Wahlen. Die EU ist nicht entstanden als politische Union aus dem gemeinsamen Willen der Völker, sondern aus einer Wirtschaftsgemeinschaft. Das war ein schwerwiegender Konstruktionsfehler, denn eine Wirtschaftsgemeinschaft verbindet die Menschen als Wirtschaftssubjekte, und als solche sind sie tendenziell Konkurrenten: Sie sind zufrieden, solange die ökonomische Gemeinschaft Gewinne abwirft; sie werden unzufrieden, wenn es nicht mehr so gut läuft und wenn plötzlich von Lastenausgleich die Rede ist. Und sie werden zu Feinden, wenn nicht Gewinne, sondern Verluste umverteilt werden sollen. Genau das bekommen wir jetzt zu sehen. Richtig wäre gewesen, ein Vereinigtes Europa als politische Gemeinschaft zu gründen. In der steht man füreinander ein, weil man zusammengehören will. Das tut man nicht in einer Wirtschaftsgemeinschaft. Zusammengehörigkeit fällt in die politische Dimension.

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