„Nachhaltigkeit macht den Kunden zum Feind“


Algen statt nachhaltigem Palmöl: Das fordert Nachhaltigkeitskritiker Braungart. picture alliance
Michael Braungart ist einer der schärfsten Kritiker von Nachhaltigkeit. Bevor der Umweltforscher auf der heutigen Veranstaltung „Nachhaltig und gut?“ mit Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke und anderen diskutiert, erklärt er im Interview, warum es falsch ist, Häuser zu versiegeln und warum wir Plätzchen aus Algen machen sollten


Interview mit Michael Braungart|Cicero

Herr Braungart, wenn man Ihre Thesen liest, wird sich der Vorstandsvorsitzende von RWE, Peter Terium, auf einiges gefasst machen müssen, oder?
Prof. Michael Braungart: Das kommt drauf an. Ich kenne Herrn Terium ja schon lange. Er arbeitet innovativ und hat einen sehr partnerschaftlichen Führungsstil. Leute mit anderer Meinung verschüchtert er nicht, sondern bezieht sie mit ein. Insofern sehe ich der Diskussion sehr positiv entgegen.

Okay, aber oben auf Ihrer Website steht als erster Satz „We do not want sustainability“. Wenn wir uns den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht von RWE angucken, ist dort von nachhaltiger Energieversorgung als Ziel der Energiewende die Rede. Da prallen doch zwei Welten aufeinander.
Ja, aber die Unternehmen haben die Nachhaltigkeit ja nicht erfunden. Sie sind damit inzwischen in eine Falle geraten. Die Nachhaltigkeit macht auf einmal den Kunden zum Feind. Da schwingt der Gedanke mit: ,Wenn Du es gar nicht kaufst, ist es noch besser. Brauchst Du es wirklich?’ Dadurch verhindern Diskussionen um Nachhaltigkeit Innovation. Die Innovation kann nicht nachhaltig sein, sonst wäre sie keine.

Außerdem ist Nachhaltigkeit langweilig. Wenn ich Sie fragen würde: Wie geht’s Ihnen so mit Ihrem Lebensgefährten und Sie sagen: ,Nachhaltig.’ Dann sage ich: ,Na, herzliches Beileid.’ Auf Englisch ist der Ausdruck noch besser: ,sustainable’ – man kann es also aushalten. Das ist nichts Positives.

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