Debatte geht anders


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Weil Debatten niemals enden, endet auch diese nicht. Noch einmal zum Thema Orient und Okzident, wer hat wem was zu verdanken?


Von Heiko Heinisch|The European

The European definiert sich schon im Untertitel ausdrücklich als Debattenmagazin, und so ist es zu begrüßen, dass Muhammad Sameer Murtaza auf meinen Einwand gegen seinen Artikel mit einer Erwiderung reagiert. Eine Debatte zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Seiten ihre Argumente vortragen und versuchen, die des Gegners zu widerlegen, um Leserinnen und Leser – eventuell auch den Gegner – von den eigenen Thesen zu überzeugen. Aber anstatt in diesem Sinne auf die vorgetragenen Argumente einzugehen, verlegt sich Murtaza leider darauf, mir Aussagen zu unterstellen und andere sinnentstellend aus dem Zusammenhang zu reißen, nur um diese dann widerlegen zu können. Ganz nebenbei nimmt er seine bereits kritisierte Apologetik von Neuem auf. Debatte geht anders.

Leere Behauptungen sind keine konstruktive Kritik

Schon im ersten Satz unterstellt Murtaza, mein Artikel wolle eine Minderwertigkeit des Islam festschreiben, würde ich doch behaupten, die „seit mehr als 1000 Jahren andauernde Anwesenheit der Muslime in Europa habe überhaupt keine Rolle auf dessen Entwicklung gehabt“. Ewas weiter unten schreibt er, ich würde den Einfluss muslimischer Religionsgelehrter und Philosophen unterschlagen und den Muslimen lediglich den Transfer griechischer Schriften und griechischen Wissens zugestehen. Dass er diese Behauptungen nicht durch entsprechende Zitate untermauern kann, liegt daran, dass sich derlei Ausführungen in meinem Text nicht finden lassen. An keiner Stelle leugne ich die Leistungen arabischer und persischer Denker, Philosophen und Wissenschaftler, und an keiner Stelle schreibe ich, diese hätten nur Wissen transferiert. Im Gegenteil.

Die Rolle ibn Rushds als maßgeblicher Kommentator der Werke Aristoteles’, seinen Einfluss auf die Scholastik und damit auf die Aufklärung hebe ich dezidiert hervor. Man könnte noch präzisieren, dass ibn Rushd von den Scholastikern meist in Anlehnung an die Bezeichnung der Philosoph für Aristoteles schlicht der Kommentator genannt, also mit größter Hochachtung bedacht wurde.

Murtaza weiß auch, dass die muslimischen Eroberungen von mir nicht erwähnt wurden, um von den Kreuzzügen abzulenken, sondern einzig, weil er die Kreuzzüge zum ersten „weniger friedlichen Wissenstransfer“ zwischen Christen und Muslimen erklärt – womit er die Jahrhunderte islamischer Eroberungen, die ihnen vorausgingen, einfach unterschlägt.

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