Kirchen im Strudel von Nettoverlust und Irrelevanz


ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
ehem. Dominikanerkirche in Maastricht, jetzt Buchhandlung und Kaffeehaus
Eine neue Studie zeigt, dass der Niedergang des Christentums durch Predigten oder feurige Bekenntnisse nicht zu bremsen ist. Religion ist für den Alltag vieler Menschen einfach nicht mehr relevant.


Von Matthias Kamann|DIE WELT

An den Predigern liegt es nicht. Dass in Westeuropa das Christentum an Bedeutung verliert, dass es 2014 allein in Deutschland nach vorläufigen Schätzungen mehr als 400.000 Kirchenaustritte gab und immer weniger Neugeborene getauft werden, lässt sich nicht mit der kirchlichen Verkündigung erklären.

Vielmehr hat es außerkirchliche Gründe: „Die christlichen Kirchen in Deutschland scheinen kaum noch einen Einfluss auf ihre eigene Entwicklung nehmen zu können und äußeren Faktoren ausgesetzt zu sein, denen sie wenig entgegenzusetzen haben.“

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Auswertung internationaler Erhebungen zur Lage des Christentums. Nach Ansicht der Autoren, Detlef Pollack und Gergely Rosta vom Exzellenzcluster Religion und Politik an der Universität Münster, ist auch das geringe Interesse der verbliebenen Kirchenmitglieder nicht mit dem Verhalten der Pfarrer oder Bischöfe zu erklären. „Der Grund, warum die Menschen nicht stärker am kirchlichen Leben teilnehmen, ist nicht der, dass sie an der Kirche so viel stört. Vielmehr ist ihnen das Engagement in der Kirche nicht so wichtig.“

Nicht Ärger über Botschaften oder Stellungnahmen der Kirchen lasse das Interesse schwinden. Sondern dass der Glaube kaum noch Relevanz für das Alltagsleben und die Grundhaltungen der Menschen habe. In ausdifferenzierten Gesellschaften, so die Studie mit dem Titel „Religion und Moderne“ (Campus-Verlag), gebe es einfach zu viele andere Möglichkeiten zur Betätigung und zur Lebensgestaltung.

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