Aufruf: Gegen die Hexenjagd auf Peter Singer!


Wir wollen hier Peter Singers Ethik nicht im Einzelnen verteidigen – Kritik daran finden wir legitim – den Aufruf des Aktionsbündnisses ‚Kein Forum für Peter Singer‘ halten wir jedoch für niveaulos und inakzeptabel.

Die Hexenjagd auf Peter Singer ist nicht progressiv!

Dieser Aufruf versucht Peter Singers Beitrag zum (Präferenz-)Utilitarismus und zur Tierethik mit dem Vorwurf der Behindertenfeindlichkeit komplett zu negieren, rückt ihn dabei in die Nähe von Naziverbrechern und fordert schließlich, ihm das Recht auf Redefreiheit und auf die Verbreitung (offenbar aller) seiner Ideen zu entziehen (Zitat: Leute wie Peter Singer „sollten ihre Ideen nicht öffentlich verbreiten können“.) Es wird unterstellt, Singer würde Positionen vertreten, die inhaltlich in der Nähe der „Ideologie und Praxis […] des Nationalsozialismus“ anzusiedeln wären. Eine Unterstützerin des Peter-Singer-Bashings fordert: „Der Typ gehört an die wand und weg knallen. Fertig“. Wir halten das alles für reichlich überzogen. Ob man Singer einen Preis für sein Engagement für Tierleidverminderung verleihen sollte, darüber kann man streiten, aber eine emotionalisierte Hexenjagd zu veranstalten halten wir nicht für progressiv und auch nicht für links. Wir finden es ist durchaus rechtfertigbar, Veranstaltungen mit rein hetzerischer Absicht zu stören und zu verhindern – Peter Singer ist aber kein Nazi, sondern ein analytischer Moralphilosoph. Der analytischen Moralphilosophie geht es aber eben nicht einfach um politische Bekenntnisse, sondern sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch selbstverständliche Dinge zu hinterfragen. In einer Gesellschaft, die dies nicht aushält und die nicht akzeptieren kann, dass Andersdenkende ihre Meinung äußern dürfen, wollen wir nicht leben. Stattdessen muss eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Singers Ethik stattfinden, die mehr zu bieten hat, als dekontextualisierte Zitate, die vermeintlich für sich selbst sprechen. Dabei den Problemhintergrund, vor dem Singer schreibt, überhaupt nicht zu berücksichtigen, sondern mit Sätzen wie: „Wir haben ja nichts gegen Tierschutz, aber…“ abzutun, scheint uns methodisch fraglich.

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