Ewiggestrige Apostel: Nach einer Wiederheirat soll weiterhin gekündigt werden


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Mehrere Bischöfe boykottieren die Lockerung der neuen Richtlinien für Kirchenmitarbeiter: Nach einer Wiederheirat soll weiterhin gekündigt werden. Ein Affront gegen den Chef der Bischofskonferenz.


Von Christian Eckl|DIE WELT

Dürfen die das? Diese Frage stellt sich seit Jahren immer dann, wenn ein kirchlicher Mitarbeiter wegen seines Lebenswandels aus Sicht der katholischen Kirche etwas Verwerfliches getan hat. Für Aufsehen sorgte beispielsweise der Fall eines Arztes aus Düsseldorf, der als Chefarzt für Innere Medizin ein zweites Mal geheiratet hatte. Sein Fall landete vor dem Bundesverfassungsgericht, das im Oktober 2014 entschied: Ja, die Kirchen dürfen ihren Moralkodex im Arbeitsrecht anwenden.

Ende April hatte die große Mehrheit der deutschen Bischöfe entschieden, die Richtlinien für das Arbeitsrecht neu zu fassen. Traditionell ist die Deutsche Bischofskonferenz etwas liberaler gesinnt, als es viele Bischöfe sind. Grund: In ihr haben auch die Weihbischöfe ein Stimmrecht. Monatelang hatte die Bischofskonferenz um neue Richtlinien für das Arbeitsrecht gerungen.

Der Kompromiss am Ende: Lediglich verkündigungsnahe Berufe sollen weiterhin nach strengen moralisch-sittlichen Gesichtspunkten bewertet werden; etwa der Lehrer einer kirchlichen Schule, der die Missio besitzen muss – also die Bestätigung des Bischofs, dass er Religion lehren darf. Für den Mathelehrer sollen diese Regeln nicht mehr gelten. Die neue Regelung würde vor allem Unternehmen der katholischen Kirche entlasten, wo der Kampf ums Personal hart ist: Etwa im Bereich der Pflege – oder eben bei den Medizinern.

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