Blame Game im Irak


Nach der Einnahme von Ramadi. Bild: IS-Video
Während der Islamische Staat mit seiner Strategie weiter erfolgreich ist, sucht das Pentagon den feigen irakischen Soldaten die Schuld zuzuschieben


Von Florian Rötzer|TELEPOLIS

Es klingt etwas ratlos, wenn der US-Verteidigungsminister Carter erklärt, die Einnahme Ramadis durch den Islamischen Staat zeige, dass den irakischen Truppen „offensichtlich“ der Wille zum Kämpfen fehle. Zahlenmäßig seien die irakischen Truppen dem IS weit überlegen gewesen sein: „Dennoch scheiterten sie daran zu kämpfen. Sie zogen sich zurück, und heißt für mich, dass wir ein Problem mit dem Willen der Iraker haben, den IS zu bekämpfen und sich selbst zu verteidigen.“ Geschätzt wird, dass gerade einmal 200 IS-Kämpfer mehrere Tausend Soldaten, mindestens 2000, in die Flucht geschlagen haben.

Man könne die Iraker mit Waffen und Ausbildung versorgen, aber nicht mit dem Kampfwillen. Die Luftangriffe seien „effektiv“, aber sie können nicht den Kampfwillen bei den Irakern ersetzen, wiederholte Carter ein ums andere Mal. Der irakische Regierungschef al-Abadi, der auch Oberbefehlshaber ist, hatte nach der Flucht der irakischen Truppen angeordnet, die strafrechtliche Vorgehen gegen Soldaten einzustellen, die geflohen oder nicht zum Dienst erschienen sind, die sich selbst verletzt haben oder Straftaten gegen die militärische Ordnung begangen haben. Offenbar wird eine weitere Erosion der Truppenmoral befürchtet.

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