Das Rätsel um den Reichstagsbrand


Foto: Getty Images Am 27. Februar 1933 brennt der Berliner Reichstag. Bis heute wird darüber diskutiert, wer dafür verantwortlich war
Der Reichstagsbrand markierte den Beginn der Nazi-Diktatur. Der Glaube an einen Einzeltäter hält sich – obwohl viel dagegen spricht. Wer hätte ein Interesse, die Existenz mehrerer Täter zu vertuschen?


Von Benjamin Carter Hett|DIE WELT

Historiker wissen, welche giftige Debatte jahrelang über die Frage geführt wurde, wer das Feuer im Reichstag legte, am 27. Februar 1933, einen Monat nach der Machtergreifung Hitlers. Der Reichstagsbrand wurde von den Nationalsozialisten ein Tag später benutzt, um die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ zu verkünden. Es war der entscheidende Schritt in Richtung auf eine Diktatur. Die Nationalsozialisten rechtfertigten die Notverordnung mit der Behauptung, die Brandstiftung sei Teil einer kommunistischen Verschwörung gewesen.

Seitdem wird darüber gestritten, ob der am Tatort festgenommene 24-jährige niederländische Maurergeselle und Anarchosyndikalist Marinus van der Lubbe den Brand im Reichstag als Einzeltäter allein gelegt hat – oder ob die Nationalsozialisten auf irgendeine Weise an der Brandstiftung beteiligt waren.

Die These von der Alleinschuld van der Lubbes

Es ist bekannt, dass einige Verfechter der These von der Nazi-Täterschaft ihre Behauptung durch gefälschte Dokumente zu stützen versuchten. Auch aus diesem Grund herrscht seit Jahrzehnten fast einhelliger Konsens, dass van der Lubbe Einzeltäter war und den Brand ohne Hilfe von Kommunisten oder Nationalsozialisten gelegt hat. Kommunistische Funktionäre, die mit ihm vor Gericht gestanden hatten, wurden freigesprochen, was nach Hitlers Machtergreifung keinesfalls zu erwarten war.

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