Jüdische Theologie an einer staatlichen Universität


Der Rabbiner und Professor für jüdische Religionsphilosophie, Walter Homolka (Martin Schutt, dpa)
Bisher gab es an deutschen Universitäten nur die kulturwissenschaftlich ausgerichtete Judaistik oder die außeruniversitären Rabbinerseminare. Erst seit etwas mehr als einem Jahr bietet die Universität Potsdam auch das Studienfach Jüdische Theologie an, das gleichberechtigt neben der evangelischen und katholischen Theologie steht.


Von Michael Hollenbach|Deutschlandfunk

Die treibende Kraft hinter der Gründung der „Jüdischen Theologie, der School of Jewish Theology“, ist der Rabbiner und Professor für jüdische Religionsphilosophie, Walter Homolka. Für ihn war es ein Kampf um die Gleichberechtigung der jüdischen mit der christlichen Theologie an den Universitäten:

„Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. Diese Gleichberechtigung hat Abraham Geiger schon 1836 eingefordert […] und daraus ergab sich das Bild, dass sich durch die Gleichberechtigung der geistlichen Ausbildung eine tiefe Wunde, die es seit 200 Jahren gab in der Emanzipationsgeschichte des Judentums in Deutschland, geschlossen werden konnte.“

Der Vordenker des Reformjudentums, Abraham Geiger, notierte schon 1830:

„Wenn doch einst ein jüdisches Seminar an einer Universität errichtet würde, wo Exegese, Homiletik und noch Talmud und jüdische Geschichte in echt religiösem Geiste vorgetragen würden; es wäre die fruchtbarste und belehrendste Anstalt!“

Die Wissenschaft vom Judentum

Fast 200 Jahre hat es gedauert, bis Abraham Geigers Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Sein Wunsch, dass jüdische Theologie in Eigenverantwortung der Religion wissenschaftlich an einer staatlichen Hochschule gelehrt und geforscht wird – so wie es für die katholische und evangelische Theologie seit Jahrhunderten der Fall ist. Lange Zeit wurde die Wissenschaft vom Judentum nur aus nicht-jüdischer Perspektive unterrichtet, erläutert Walter Homolka:

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