Philosophisches Frühstück: Soziologie der Konfessionsfreien


Die Zahl der konfessionslosen Menschen nimmt in den entwickelten Gesellschaft stetig zu, mit einer Stimme sprechen sie allerdings bei weitem nicht. Woran liegt das? Warum sind die Religionslosen so schlecht organisiert?


Von Andrea Nehr|Nürnberger Mitteilungsblatt

Trotz aller Beteuerung, dass wir eine Wiedergeburt der Religion(en) erleben, ist es empirisch gesichert, dass in den entwickelten Gesellschaften (auch in den USA!) der Anteil an Menschen zunimmt, der entweder ohne religiöse Zugehörigkeit ist oder auch bei formaler Mitgliedschaft in religiösen Organisationen religionslos denkt und handelt. Man kann davon ausgehen, dass die „Gruppe“ der Religionslosen die quantitativ größte Bevölkerungsgruppe darstellt. In scharfem Kontrast dazu steht ihre öffentliche und politische Marginalität.

Warum sind die Religionslosen so schlecht organisiert? Warum gelingt es nicht, ihre Interessen und Anliegen (sofern es überhaupt solche gibt) gesellschaftlich zu Gehör zu bringen?

Darüber spricht Professor Günter Kehrer, Professor für Religionswissenschaft und Religionssoziologie an der Universität Tübingen. Spezialgebiet: Religiöse Gruppen und Neue Religiöse Bewegungen. Kehrer ist Ehrenmitglied der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW), Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. In den letzten zehn Jahren richtet sich sein Hauptinteresse auf Fragen der Organisation von Religion in der modernen Gesellschaft und auf die Möglichkeiten, Religionslosigkeit gesellschaftlich relevant zu organisieren