Evangelikale in Brasilien: Rinder, Bibel und Gewehrkugeln


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Evangelikale Politiker wollen traditionelle Familienwerte in Brasilien stärken. Gemeinsam mit der Null-Toleranz-Fraktion und den Agrariern nutzen die Religiösen den Rechtsruck im Parlament.


Von Andreas Behn|evangelisch.de

Parlamentspräsident Eduardo Cunha nimmt kein Blatt vor den Mund. Die „Schwulen-Ideologie“ müsse in Brasilien zurückgedrängt und traditionelle Familienwerte endlich wieder aufgewertet werden. Der stramm rechte Politiker nutzt seine Machtposition, um seit Jahresbeginn eine moralische Wende in Brasilien einzuleiten. Abtreibung soll grundsätzlich verboten werden, ein neues Statut soll ausschließlich die Beziehung von Mann und Frau als Familie definieren. Was andere als Komik bezeichnen würden, will Cunha allen Ernstes in Gesetzesform gießen: Eine sogenannte „Hetero-Phobie“ soll unter Strafe gestellt und ein „Tag des Hetero-Stolzes“ ähnlichen Initiativen der Schwulenbewegung entgegengestellt werden.

Cunha, aktives Mitglied der Pfingstkirche „Assembleia de Deus“, symbolisiert den Rechtsruck im brasilianischen Kongress und den zunehmenden Einfluss evangelikaler Politiker. Obwohl er der PMDB, einer Koalitionspartei der Regierung angehört, betreibt er offen Oppositionspolitik gegen die Mitte-Links-Präsidentin Dilma Rousseff. Im vergangenen Oktober war Rousseff für eine zweite Amtszeit gewählt worden, doch machen ihr die Dissidenten an der eigenen Basis das Regieren schwer.

Die parteiübergreifende Fraktion der Evangelikalen stellt mittlerweile 75 Abgeordnete, das sind fast 15 Prozent der Parlamentssitze. Um Mehrheiten für konservative Gesetzesvorlagen zu zimmern, haben sich die Religiösen mit anderen Gruppen zusammengetan, die ebenfalls durch den Rechtsruck bei den Kongresswahlen Ende vergangenen Jahres gestärkt wurden. Zum einen die „Null-Toleranz-Fraktion“, die vor allem aus ehemaligen Polizisten und Soldaten besteht. Zum anderen die Agrarfraktion, die die Interessen der Großgrundbesitzer vertritt – gegen Kleinbauern und Indigene, die um ihre Landtitel kämpfen.

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