Pakistanischer Atheist: Ein Verdammter in der hessischen Provinz


Die atheistische Bedrohung
Die atheistische Bedrohung
Ein pakistanischer Student hat ein blasphemisches Mohammed-Video gedreht, für das ihm in Pakistan die Todesstrafe droht. Veröffentlicht wurde es just, als er sich in Deutschland aufhielt. Nun hat er Asyl beantragt, fühlt sich aber immer noch nicht sicher.


Von Leonie Feuerbach|Frankfurter Allgemeine

Muhammed Bilal Shah sei ein Verdammter und Ungläubiger, heißt es in einem Drohbrief, der auf dem Campus der Universität Lahore am Schwarzen Brett hängt. Das stimmt, sagt Shah. „Ich wurde als Atheist geboren, so wie jeder Mensch, aber als Muslim erzogen.“ In dem Land, aus dem er kommt, kann schon ein solcher Satz gefährlich sein. Noch viel gefährlicher aber ist es in Pakistan, ein Video zu produzieren, in dem man den Propheten als Kinderschänder bezeichnet. So wie Shah es getan hat. Deshalb hängt dort in Shahs ehemaliger Universität ein Zettel, auf dem seine Hinrichtung gefordert wird – und daneben ein Haftbefehl, unterzeichnet vom Magistrat der Stadt Lahore. Aus dem gleichen Grund lebt der Einundzwanzigjährige mit dem schulterlangen Haar jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft in der hessischen Provinz. Wo genau, darf niemand wissen, und auch nicht seinen richtigen Namen. Denn Shah fürchtet als pakistanischer Atheist um sein Leben.

Das selbstgedrehte Video zeigt ihn, den Islam anklagend, vor einer Wand, von der der Putz abbröckelt. Er schwitzt. Dann brutale Videoschnipsel von Enthauptungen und Gewalt gegen verhüllte Frauen, im nächsten Moment, amateurhaft zusammengeschnitten, Werbebilder in Pastelltönen von glücklichen Menschen – die Frauen ohne Kopftuch, die Männer ohne Bart. Shah hat mit der Religion gebrochen und klingt doch wie ein Prediger, wenn er am Ende des 16 Minuten langen Films sagt: „Die Zeit ist gekommen, unsere Augen zu öffnen.“ Für ein Leben ohne Allah.

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