Der Dildo der Äbtissin und die Wutbürger


P. Brueghel. Bild: allmystery.de
In der Spätantike entwickelten Theologen die Lehre von den „Sieben Grundlastern“. Die Gegenwart schert sich wenig darum. Dabei sind Neid, Wollust & Co. von ungeahnter Aktualität.


Von Christian Frey|DIE WELT

Die Sieben ist eine teuflische Zahl. In David Finchers Film „Seven“ (1995) macht Kevin Spacey als Serienmörder sie zur Richtschnur seines Tuns. Nachdem er fünf Menschen bestialisch ins Jenseits befördert hat, kommt es zum Showdown mit den Polizisten, die von Brad Pitt und Morgan Freeman gespielt werden. Da wird diesen von einem Boten ein Paket übergeben; darin: der abgetrennte Kopf von Brad Pitts Frau alias Gwyneth Paltrow. Voller Wut erschießt Pitt daraufhin den Mörder, der sich längst ergeben hat.

Die Szene verknüpft die sechste und die siebte der klassischen „Todsünden“, den „Neid“ des Mörders auf das glückliche Familienleben des Detektivs und dessen „Wut“ auf den Täter. Zahlreiche Auszeichnungen für Finchers Film stehen für die Wucht, mit der die mittelalterliche Theologie von Lastern und Sünden noch in die säkularisierte Gegenwart hineinwirken kann. Ihre Kulturgeschichte ist fast so alt wie das Christentum selbst.

Aus 1500 Jahren stammen denn auch die 300 Objekte, die das LWL-Landesmuseum in Lichtenau-Dalheim bei Paderborn in seiner Ausstellung „Die 7 Todsünden“ präsentiert. Das bundesweit einzige Museum für europäische Klosterkultur, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 2007 in dem ehemaligen Kloster- und Domänenkomplex eröffnet hat, versammelt dafür Zeugnisse historischer und aktueller Versionen der „Todsünden“.

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