Die Demokratisierung der Moral


cartoon-herzDas katholische Irland hat sich in einer Volksabstimmung klar für die Einführung der Homoehe ausgesprochen. Die katholische Kirche reagierte empört. Gejuckt hat das kaum jemanden, weil das Moralmonopol längst woanders liegt


Von Alexander Grau|Cicero

Also sprach Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin: „Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen“. Das war wenig überraschend. Die Haltung des Vatikans zu Familie und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften sind hinlänglich bekannt. Allenfalls irritierte die scharfe Wortwahl etwas.

Überraschender waren da schon die Reaktionen in Deutschland: die blieben nämlich aus. Keine Empörung, keine Erregung. Lediglich aus der zweiten Reihe der katholischen Kirchenhierarchie kamen Unmutsbekundungen. Als „brachial“ und „völlig unangemessen“ empfand etwa der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, die Einlassungen Parolins. Das war es dann aber auch schon.

Was lernen wir daraus? Erstens: Die katholische Kirche kann mit ihrer Haltung zu sexual- und familienethischen Fragen nicht einmal mehr provozieren. Aus Sicht des durchschnittlichen Mitteleuropäers hat sie sich in ihrer Haltung soweit von der Lebenswirklichkeit entfernt, dass sie in diesen Fragen bestenfalls als Kuriosum wahrgenommen wird.

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