Satire darf Alles: „Fuck the Women and Children“


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Beginnen wir mit einem ziemlich guten Witz, um uns für die Wartezeit zwischen Teil Eins und Teil Zwei zu entschädigen:


Von Tom Appleton|TELEPOLIS

Ein Schiffsunglück. Der Dampfer versinkt. Der Kapitän und die Mannschaft drängen in die Rettungsboote.

Ein Pfarrer an Bord fragt den Kapitän:

„What about the women and children?“

Der Kapitän antwortet:

„Fuck the women and children!“

Sagt der Pfarrer:

„Yeah. But will there be time?“

Sie verstehen, der Witz dreht sich um die Doppelbedeutung des Ausdrucks „fuck the women and children“. Einerseits heißt das: „Scheiß’ auf die Frauen und Kinder“. Andererseits: „Fickt die Frauen und Kinder“. Und der Pfarrer — wir vermuten, ein Katholik, aber jeder andere würde die Witzfunktion ebensogut erfüllen — denkt hier natürlich an die päderastische Variante, und deswegen fragt er: „Schön und gut, aber werden wir noch genug Zeit haben dafür?“

Das ist doch ein eminent zeitgenössischer Witz, denn vor zehn oder 20 Jahren gab es bereits weltweit die Tatsache der kinderbetätschelnden Übergriffe in katholischen Werksbetrieben, aber kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, einen Pfarrer routinemäßig als Kinderschänder darzustellen. Das ist heute anders.

Aber wie ist das mit dem versinkenden Schiff — mit den Kindern, die hier ebenso routinemäßig den Wellen des Meeres geopfert werden? Das ist ein Element des Witzes, das soo neu ist, dass man es als zeitgenössische Zutat noch nicht einmal erkennt. Man glaubt, es sei ein Witz aus dem 19ten Jahrhundert. Oder aus dem frühen 20sten. Dampfer, Rettungsboote, Kapitän, Pfarrer. Schon das Personal wirkt veraltet.

Der Witz hat gewissermaßen noch keine moderne Form gefunden, um seinen Inhalt zu transportieren.

Und wenn er so anfinge: Ein afrikanischer Schlepperkahn mit 700 Menschen an Bord versinkt vor Lampedusa …

Dann könnte man den Rest der Geschichte nicht mehr weiter erzählen, weil dann der Witz schon im ersten Teil gestorben wäre.

Man könnte auch keinen Witz erzählen, der mit einer Zugankunft im KZ Theresienstadt beginnt. Das Orchester spielt Wagner. Aber die völlig verschmutzten Reisenden wollen zunächst einmal duschen. — Nein, das verbietet sich.

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