Alkoholverbot: Wie Erdogan die Partystadt Istanbul trockenlegt


Den Islamisten ist Alkoholkonsum ein Dorn im Auge: Türkinnen trinken Cocktails in einer Bar Foto: Getty Images
Auf öffentlichen Plätzen der Türkei darf kein Alkohol konsumiert werden, Steuern treiben die Bierpreise hoch. Das verändert vor allem die Metropole Istanbul – Kritiker befürchten eine Islamisierung.


Von Metin Gülmen|DIE WELT

Auf einer Sitzbank mit Blick auf den Bosporus genießen die Studenten den Sonnenuntergang, bevor die Partynacht beginnt. Außer ihren Taschen haben die vier jungen Männer schwarze Plastiktüten dabei, die sie immer wieder zum Mund führen. Doch einer aus der Gruppe ist schnell das Versteckspiel leid: Er greift in seine Tüte, holt eine offene Bierdose hervor und nimmt einen kräftigen Schluck. Nach und nach tun es ihm seine Freunde gleich – bis sie von Weitem die herannahenden Polizisten sehen, die für die Parkaufsicht zuständig sind. Dann laufen die Jungs hektisch davon. Und das mitten in Istanbul.

Seit dem 9. September 2013 ist es in der Türkei verboten, auf öffentlichen Plätzen und in Parks Alkohol zu trinken. Das entsprechende Gesetz wurde vom damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Staatschef Recep Tayyip Erdogan persönlich vorangetrieben und vom türkischen Parlament über Nacht durchgeboxt. Der Steuersatz auf Bier stieg in den vergangenen 13 Jahren von 18 Prozent auf mehr als 60 Prozent. Zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens ist der Alkoholverkauf sogar komplett verboten.

weiterlesen