„Der Islam braucht mehr Ketzer“


Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
In Deutschland werde dem Islam zu schnell ein Persilschein ausgestellt: Ein Gespräch mit dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad, der am liebsten den Koran entmachten will.


Von Benjamin Stahl|Main Post

Die Bundeskanzlerin kritisierte er für ihre Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland. In seinem Buch „Der islamische Faschismus“ stellt er die These auf, dass faschistoides Gedankengut im Ur-Islam angelegt sei. Und im Gespräch mit der Redaktion nennt er die Diskussionskultur in Deutschland „vergiftet“, wenn es um den Islam geht. Am kommenden Donnerstag spricht der Autor Hamed Abdel-Samad in der Würzburger Residenz. Anlass ist die Gründung einer Regionalgruppe Unterfranken der „Giordano Bruno Stiftung“, die sich dem Humanismus verschrieben hat und Religionskritik fördern will. Ein passendes Umfeld für den bekanntesten Islamkritiker der Republik.

Dabei war dem 43-jährigen Ägypter ein anderer Weg vorgezeichnet. „Ich wurde sehr streng muslimisch erzogen“, sagt Abdel-Samad. Als Sohn eines konservativen sunnitischen Imams habe er als Kind den Koran auswendig gelernt, sei mit der islamischen Theologie aufgewachsen. Später, als Student, hat er einige Zeit bei den Muslimbrüdern in Kairo verbracht. Und heute? „Ich bin weder Atheist noch gläubiger Moslem und ich lehne auch jede Bezeichnung in Bezug auf Religion ab“, erklärt Abdel-Samad etwas knapp. Ausführlicher wird er, wenn man ihn auf seine Islamkritik anspricht.

Denn den Mund will sich Abdel-Samad nicht verbieten lassen – obwohl das einige versucht haben. Nachdem er 2013 den Muslimbrüdern „islamischen Faschismus“ vorgeworfen hat, lebt er mit Morddrohungen radikaler Islamisten. Und unter Polizeischutz. „Das ist belastend“, sagt er. „Ich versuche, naiv davon auszugehen, dass nichts passiert – obwohl ich weiß, dass jederzeit etwas passieren kann.“ Das Preis für seine Meinung, die er sich nicht nehmen lässt: „Der Islam war keine Lehre, die ein paar Hundert Jahre später politisch wurde, wie das Christentum. Der Islam ist politisch und gewalttätig geboren. Und der Islamismus speist sich direkt aus der Entstehungsgeschichte des Islam mit dem Propheten Mohammed, dessen Kriegen, Überfällen und Sklavenhalten als Vorbild.“

weiterlesen